Ute Bansemir - freie Regisseurin und Theaterpädagogin
Ute Bansemir - freie Regisseurin und Theaterpädagogin

Aktuelles

Nächste Vorstelllung, Regie: Ute Bansemir:

11. Mai 2023 um 16 Uhr "Salon Salami" von Benjamin Tienti im Titania

 

Proben laufen von:

ALL IN

ein Projekt, bei dem alle mitmachen können, die Lust haben. Wirklich alle! Nächster Probentermin: 7.Mai um 12 Uhr im Titania

Theorie und Praxis (Textauszüge)

Theater und Migration - Interview mit der Leitung von theaterperipherie
In diesem Interview können Sie unsere aktuellen Überlegungen zu Theaterarbeit in der (post-)migrantischen Gesellschaft finden.
(Das Interview erschien im Jahresbericht 2012 des Kulturamtes Frankfurt
Interview mit Alexander Brill und Ute Ba[...]
PDF-Dokument [4.5 MB]

 

 

Auszug aus der Magisterarbeit zum Thema:

Jacques Rancière und die Frage nach politischer Kunst.

von Ute Bansemir

 

"Kunst trägt ein utopisches Moment, ein Moment der Verunsicherung oder Erschütterung von Gewissheiten und Gewohnheiten, ein Moment der Frage oder des Wunsches nach der Möglichkeit einer anderen Welt, in sich. Walter Benjamin nennt dieses Moment den Wahrheitsgehalt eines Kunstwerks. Nach ihm kann sich ein Werk erst durch das „Entspringen“ und „Aufblitzen“ von diesem als ein Kunstwerk ausweisen.

(Aufsatz über die „Wahlverwandtschaften“, 1922)

Dieser Definition von Kunst folgend kann in letzter Konsequenz die Behauptung aufgestellt werden, dass jede Kunst politisch ist oder politisch sein muss, um überhaupt Kunst zu sein. Der formulierte Gedankengang setzt jedoch ein bestimmtes Verständnis von dem Begriff ‚politisch’ voraus. Hier ist nicht die Rede davon, dass jede Kunst explizit eine politische Thematik behandeln muss, um politisch zu sein. Vielmehr wird das utopische Moment, das das Überschreiten einer Grenze bedeutet, als politisch bezeichnet. Dieses Moment zeigt sich in der Kunst im plötzlichen Wahrnehmbarwerden von Unwahrnehmbaren, im Verweis auf eine Kategorie der Undarstellbarkeit.

Wenn man Politik als das Sichtbarmachen und Sichtbarwerden von (zuvor) unsichtbaren Interessen und Bedürfnissen versteht oder anders formuliert als Streit um Sichtbarkeit und deshalb zwingend als Kampf gegen Unsichtbarkeit und Ausgeschlossenheit, besteht zwischen Kunst und Politik eine ganz grundsätzliche Beziehung, die in der Struktur zu suchen ist.

Bei Politik geht es um das Ringen /den Kampf des ‚Sichtbarmachens’ von (bislang) unsichtbaren Interessen und Kunst macht ebenso (für Augenblicke) das Unsichtbare sichtbar. So haben Kunst und Politik eine strukturelle Ähnlichkeit. Kunst ist also ‚politisch’.

Der Inhalt / das Thema eines Kunstwerks entscheidet dies nicht, sondern die Tatsache, dass es ein Kunstwerk ist, macht es, das Kunstwerk, politisch – macht es jedoch nicht zu Politik. Kunst bietet keine Anleitung zu Politik, aber ‚wirkt’ mit ihrem Rätsel-, Geheimnis- oder Schockcharakter ‚politisch’, indem sie Unsichtbares sichtbar macht, das bedeutet: Gewissheiten verunsichert, irritiert und die Frage nach einem anderen Leben, einer anderen Möglichkeit stellt, ohne diese aber umsetzen zu können/wollen."

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© Ute Bansemir